Die Gewerkschaften haben zugesehen, wie Deutschland immer ungerechter wurde

Nun gut, nehmen wir das mal als positiv auf… letztlich, was sind Gewerkschaften? Kinder des Systems! Und die werden das grundsätzliche Fortbestehen des Systems immer wieder stützen, ansonsten wären sie obsolet… und wer will als Funktionär schon ohne Job dastehen;-)

“Holt euch, was euch zusteht! Die IG Metall will streiken. Gut so! Die Gewerkschaften haben zugesehen, wie Deutschland immer ungerechter wurde. Höchste Zeit für eine Umkehr.

Die IG Metall traut sich was. Endlich. Nach vielen Jahren im Krebsgang wagt sich die einstmals stolze Industriegewerkschaft wieder in einen regelrechten Arbeitskampf. Es geht um sechs Prozent mehr Lohn und die Möglichkeit, die Arbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden zu reduzieren. Aber in Wahrheit steht viel mehr auf dem Spiel: Welche Rolle spielen die Gewerkschaften in Deutschland noch?

Der Begriff vom “Schweinesystem”, der vor 50 Jahren angesagt war, ist ja ein bisschen in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

Nehmen wir mal Davos: Da hat jetzt der Siemens-Chef Joe Kaeser den amerikanischen Präsidenten Donald Trump für dessen Steuerreform gelobt.

Ihr erstaunlicher Effekt besteht bekanntlich darin, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer zu machen, obwohl man dachte, das sei gar nicht mehr möglich. Kaeser kündigte aber außerdem noch an, in den USA Gasturbinen entwickeln zu wollen. Gasturbinen also, von denen gerade erst gesagt wurde, sie seien ein Geschäft von gestern, und darum müsse man leider 6900 Arbeitsplätze abbauen, die Hälfte davon in Deutschland.

Oder, anderes Beispiel, die Deutsche Bank. Das Kreditinstitut schreibt zum dritten Mal hintereinander rote Zahlen, Bankfilialen werden geschlossen, Arbeitsplätze gestrichen. Aber für 2017 will die Bank an ihre Manager Boni im Umfang von mehr als einer Milliarde Euro ausschütten.

SPD-Chef Martin Schulz sagt dazu: “Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft.” Das ist allerdings derselbe Martin Schulz, der jetzt wieder eine Frau zur Kanzlerin wählen will, die den Zerfall dieser Solidargemeinschaft nach Kräften befördert hat.

Deutschland hat heute den größten Niedriglohnsektor in Westeuropa. Sieben Millionen Menschen verdienen in Deutschland weniger als 9,60 Euro in der Stunde. Und, noch schlimmer: 2016 bekamen etwa 2,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 8,50 in der Stunde. Knapp zehn Prozent der Menschen, für die dieses Gesetz gemacht wurde, werden von ihren Chefs auch heute noch betrogen.

Die Beschäftigten sind von Politik und Medien im Stich gelassen worden. Und von den Gewerkschaften auch. Den letzten großen Kampf hat die IG Metall vor 15 Jahren geführt – und verloren. Damals, 2003, ging es um die 35-Stunden-Woche im Osten. Seitdem hat sich die Gewerkschaft nicht mehr viel getraut.

Die Gewerkschaft stellt die Machtfrage

Jetzt reicht es den Metallern. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hat am Samstag in Stuttgart zu Warnstreiks aufgerufen: In mehr als 250 großen und kleinen Betrieben soll von Mittwoch bis Freitag für jeweils 24 Stunden die Arbeit niedergelegt werden. Vorher waren die Tarifverhandlungen abgebrochen worden, die derzeit im Bezirk Südwest stellvertretend für alle 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche geführt werden.

“Das ist absolut maßlos und war für uns nicht akzeptabel”, hatte der Arbeitgebervertreter zu den Forderungen der IG Metall gesagt. “Maßlos”, hat er wirklich gesagt. Und die “Frankfurter Allgemeine” warnt schon nervös vor der gewerkschaftlichen “Lust am Untergang”.

Dabei ist es höchste Zeit, dass Gewerkschaften sich wieder zu Wort melden. Die Forderung der IG Metall ist spannend: Die Beschäftigten sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre auf 28 Stunden zu reduzieren. Bestimmte besonders belastete Gruppen, wie Schichtarbeiter oder Eltern kleiner Kinder, sollen den Lohnausfall teilweise ersetzt bekommen.

Vordergründig geht es da um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Das ist das Mandat der Gewerkschaft. In Wahrheit traut sich die Gewerkschaft hier an eine Machtfrage: Wer bestimmt über die Zeit der Menschen?

Alle reden von Flexibilisierung – Hofmann und seine Leute drehen den Spieß um und fordern Flexibilisierung von den Arbeitgebern. Und sie packen die Industrie bei ihrer Verantwortung für Gemeinwohl und Sozialstaat: Wer sich um Kinder kümmert oder alte Menschen pflegt, braucht die Unterstützung von allen!”

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/streik-der-ig-metall-holt-euch-was-euch-zusteht-kolumne-a-1190322.html