Der Zerfall der Mittelklasse und das Ende des kapitalistischen Weltsystems

Die zunehmenden ökonomischen und politischen Verwerfungen, von der Ukraine über den Mittleren Osten und Nordafrika bis zur Eurokrise, seien Symptome einer weltweiten systemischen Krise, so Immanuel Wallerstein. Das globale kapitalistische System stoße an seine Grenzern, weil ihr Motor, die endlose Akkumulation von Kapital, ins Stottern geraten sei. Darüber könne auch der Erfolg von Einzelunternehmen wie Apple nicht hinwegtäuschen. Eine der Ursachen für die Krise sei die Tatsache, dass weltweit immer mehr Arbeit durch Maschinen ersetzt wird, und zwar auch in den Dienstleistungsberufen der Mittelklasse. Die Folge: Immer weniger Menschen haben das Geld, um die produzierten Warenmassen aufzukaufen, Investitionen lohnen sich kaum noch, die Spekulation blüht. Diese Situation könne innerhalb des Systems nicht gelöst werden, sondern erst, wenn aus der chaotischen Übergangsphase, in der wir uns befinden, etwas ganz Neues entstanden sei.

 

Es handelt sich um ein System, das auf der unaufhörlichen Anhäufung von Kapital beruht. Um Kapital anzuhäufen, muss man Profite mittels produzierender Unternehmen erzeugen. Es ist eine Tatsache, dass die Kosten der Produktion so stark gestiegen und die Möglichkeiten auf der Nachfrageseite so stark gesunken sind, dass es kaum noch funktioniert, Profite zu generieren, und folglich auch keine Kapitalakkumulation mehr stattfindet. Schon immer waren viele Menschen mit dem kapitalistischen System unzufrieden, aber nun gibt es –zusätzlich zu dieser Unzufriedenheit an der Basis – die Einsicht seitens der Kapitalisten selbst, dass es sich nicht mehr lohnt, dass sie kein Kapital mehr anhäufen können. Und deshalb wird die Frage laut, mit welchen alternativen Instrumenten sie ihren Wohlstand, ihre Macht und ihre Privilegien sichern können. Wir haben eine Situation, in der – aus den verschiedensten Gründen – eigentlich keine der beiden Seiten mehr die Weiterführung des Systems wünscht, und die Frage, die sich uns aufdrängt, heißt nicht: Mögen wir das System oder mögen wir dieses System nicht, sondern: Welches System soll das herrschende System ersetzen?…