Apokalypse-Wochen: The poor die first!

2017 könnte das Jahr mit den weltweit größten Schäden durch Extremwetter werden, zeigt der neue Klima-Risiko-Index von Germanwatch. Extremwetter-Ereignisse treffen vor allem arme Länder.

“Die Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen nimmt weltweit zu. Vor allem arme Länder auf der Südhalbkugel sind von den Folgen betroffen – und einige von ihnen wurden in den vergangenen Jahren so oft von schweren Stürmen, Dürren oder Überflutungen heimgesucht, dass sie dazwischen kaum Zeit hatten, sich davon zu erholen. Beispiel sind Haiti, Indien, Sri Lanka und Vietnam.

The poor die FIRST by Latuff2

Bildquelle: https://latuff2.deviantart.com/art/The-poor-die-FIRST-71383565

Das zeigt der “Klima-Risiko-Index”, der am Donnerstag von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch auf dem Klimagipfel in Bonn vorgestellt wurde. Der Index beruht auf Daten der Münchener Rückversicherung und des Internationalen Währungsfonds IWF. Die Experten glauben, dass 2017 das Jahr mit den weltweit größten Schäden durch Extremwetter werden könnte, die jemals registriert wurden.

Im vergangenen Jahr zählte auch der Inselstaat Fidschi, der die Präsidentschaft der Bonner Konferenz innehat, zu den am stärksten betroffenen Ländern weltweit. “Stürme mit nie zuvor beobachteter Wucht haben Inselstaaten zuletzt verheerend getroffen”, sagte David Eckstein, Ko-Autor des Germanwatch-Berichts, der diesmal in der 13. Ausgabe vorgelegt wurde.

Fidschi wurde vom stärksten je dort gemessenen Wirbelsturm, “Winston”, heimgesucht. Heftig traf es auch den Karibikstaat Haiti, der mit “Matthew” den stärksten Hurrikan seit über 50 Jahren erlebte. Haiti findet sich auf Platz eins und Fidschi auf Platz drei im Index der am stärksten betroffenen Staaten im Jahr 2016.

Der Vertreter von Fidschis Regierung, Joshua Wycliffe, unterstrich in Bonn, wie wichtig es sei, dass arme Länder sowohl bei der Anpassung an den Klimawandel als auch beim Umgang mit Verlusten und Schäden unterstützt würden. “Winston” habe mehr als die Hälfte der rund 900.000 Bewohner der 300 Inseln vorübergehend obdachlos gemacht.

“Arme Länder müssen unterstützt werden”

Auffallend ist laut dem Report, dass in vielen der 2016 am stärksten von Unwetterkatastrophen betroffenen Länder den extremen Regenfällen Dürren vorausgingen. Im südafrikanischen Land Simbabwe, das Platz zwei im Risikoindex einnimmt, führte das zu dramatischen Überschwemmungen mit etwa 250 Todesopfern und Tausenden Obdachlosen.

Eckstein kommentierte, vor allem für kleinere Staaten sei die Häufung der Extreme eine kaum zu bewältigende Belastung. Der Report zeige, wie wichtig es sei, dass arme Länder sowohl bei der Anpassung an den Klimawandel als auch beim Umgang mit schon nicht mehr zu verhindernden Schäden unterstützt werden. “Gerade auf dieser Weltklimakonferenz unter fidschianischer Präsidentschaft müssen diese Themen ganz oben auf der Tagesordnung stehen.”

Im Pariser Klimavertrag haben die Industriestaaten den Entwicklungsländern zwar zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung zukommen zu lassen. Ob diese Summen tatsächlich erreicht werden, ist jedoch unklar. Zum Auftakt des Gipfels hatte die Bundesregierung den Entwicklungsländern zusätzliche 100 Millionen Euro zur Bewältigung des Klimawandels zugesagt.

Auch Industriestaaten stärker betroffen

Im Langfrist-Risiko-Index, der die vergangenen 20 Jahre betrachtet, sind Honduras, Haiti und Myanmar die am stärksten getroffenen Länder. Weltweit kamen in dieser Zeit laut Germanwatch mehr als 520.000 Menschen als direkte Konsequenz von über 11.000 Extremwetter-Ereignissen zu Tode. Die wirtschaftlichen Schäden summierten sich auf etwa 3.160 Milliarden US-Dollar, gerechnet in Kaufkraftparitäten. Neun der zehn von 1997 bis 2016 meistbetroffenen Staaten sind Entwicklungsländer mit niedrigem oder unterem mittleren Pro-Kopf-Einkommen.

Allerdings macht sich die Extremwetter-Häufung nach den Daten auch in den Industrienationen merkbar. So liegen die USA im Klima-Risiko-Index 2016 mit 267 Todesopfern und rund 47,4 Milliarden Dollar Schäden auf Rang zehn. Deutschland ist im Langfrist-Index nach Frankreich und Portugal die am drittstärksten betroffene Industrienation und belegt Rang 23.

Zu Buche schlagen hierzulande vor allem die lange Hitzewelle 2003 mit mehreren Tausend vorzeitigen Todesfällen, schwere Stürme wie Orkan “Kyrill” 2007 und die gehäuften “Jahrhundert-Hochwasser” an Elbe, Donau und Oder. 2016 fielen vor allem Überflutungen und Stürme mit insgesamt 15 Toten und mehr als 3,9 Milliarden Dollar Schäden (3,4 Millionen Euro) ins Gewicht.”

Quelle: http://www.klimaretter.info/umwelt/hintergrund/23900-erst-die-duerre-dann-die-sintflut

Germanwatch-Beitrag: https://germanwatch.org/kri