Gedankenkatalysator zur G(20)ewaltorgie in Hamburg

auf Grundlage von Gesellschaftsbeobachtungen des Sozialwissenschaftlers und Gefängnispsychologen Götz Eisenberg. Die (Interview)-Aussagen bleiben von uns unkommentiert. Für die Diskussion verstehen wir Amok (malaiisch „amuk“ = wütend, rasend) auch als spontanen oder geplanten Gewaltausbruch. „Zum Beispiel versuchten sich zahlungsunfähige Schuldner ihrer unweigerlich drohenden Versklavung dadurch zu entziehen, dass sie so lange töteten, bis sie selbst getötet wurden. Dies war auch eine Form des sozialen Protestes, denn die Drohung eines Amoklaufes bei grober Ungerechtigkeit hielt Machtmissbrauch von Herrschern und Reichen in gewissen Schranken.“  https://de.wikipedia.org/wiki/Amok

„Ich fürchte es wird mehr Amokläufe geben“ 12.03.2009

-…Dabei muss man beachten, dass es in allen Altersgruppen einen Zuwachs von amokartigen Attacken gibt. Wir erleben Amoktaten am ehemaligen Arbeitsplatz, ja sogar bei Rentnern. Amokläufe entstehen durch soziale Desintegration, Vereinsamung, den Verlust des Arbeitsplatzes und besonders durch den Verlust damit verbundener Anerkennung. Je mehr Menschen unter Anerkennungsdefiziten leiden, desto größer ist die Versuchung, sich als Negativ-Held oder Bösewicht Anerkennung zu verschaffen. Besser negative Anerkennung als gar keine.

-…Es gibt einespezifische Mittelschichtsverwahrlosung.

-…Das sind „Kollateralschäden“ einer bestimmten Form von Modernisierung, die mit einer Ausbreitung von Konkurrenz, Gleichgültigkeit und zwischenmenschlicher Feindseligkeit einher geht.

Sie schrieben in einem Aufsatz, dass die Gesellschaft in Gestalt der Amokläufer die Kinder bekommt, die sie verdient und die ihrem unwirtlichen Schoß entspringen. Wie meinen Sie das?

Eisenberg: Das ist meine These von den „Kindern der Kälte“. Die politischen und medialen Interpretationen von solchen Amoktaten neigen dazu, die Täter zu vermonstern und sie zu betrachten, als kämen sie von einem anderen Stern. Damit drücken wir uns vor der unangenehmen Wahrheit, dass die Amokläufer Produkte dieser Gesellschaft sind, eben unsere Kinder. Sie halten uns den Spiegel vor, in dem wir uns erkennen könnten, wenn wir dazu bereit wären.

Jede gesellschaftliche Entwicklungsstufe bringt die ihr gemäße Form des Verbrechens hervor. Der Amoklauf scheint mir das dem globalen Zeitalter entsprechende Verbrechen zu sein. Er ist das Produkt der fortschreitenden Anonymisierung und Entfremdung. Ein indifferenter Mensch löscht andere ebenso indifferente Wesen aus. Der frei flottierende Hass ist das Produkt der fortschreitenden psycho-sozialen Entleerung.

In den öffentlichen Debatten werden mit Vorliebe Ursachen benannt, die in einem Bereich liegen, den man kurzfristig verändern kann. Man verhält sich wie ein Betrunkener, der seinen verloren gegangenen Schlüssel im Schein der Laterne sucht und nicht da, wo er ihn verloren hat. Um die verunsicherten Bürger bei der Stange zu halten, soll schnell politische Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Die Ursachen liegen jedoch viel tiefer und entziehen sich solch kurzfristigen Lösungsvorschlägen.

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Ich-fuerchte-es-wird-mehr-Amoklaeufe-geben-id5297246.html

„Die Innenseite der der Globalisierung – Über die Ursachen von Wut und Hass“ 31.10.2002

-…Die tektonischen Beben, die durch die Wucht von Modernisierungs- und Globalisierungsprozessen ausgelöst werden, erschüttern nicht nur die tragenden Gerüste des Gesellschaftsbaus, sondern auch die tradierten Formen sozialer Integration und den Innenbau der Menschen.

-… Die im Namen des Neoliberalismus betriebene Deregulierung von Sozialstaat, Wirtschaft und Gesellschaft scheint mit einer psychischen und moralischen Deregulierung einherzugehen, von der das Über-Ich, das Ich und seine Modi der Abwehr gleichermaßen betroffen sind.

-… Da gleichzeitig die Verwandlung von „Fremdzwängen in verinnerlichte Selbstzwänge“ (Norbert Elias) nicht mehr mit ausreichender Zuverlässigkeit stattfindet, wächst die Neigung, intrapsychische Spannungen und Konflikte in die Außenwelt zu tragen und dort auszuagieren.

-… Das sind bis heute die dominierenden Reaktionsformen auf Entwurzelungserfahrungen geblieben. Doch es mehren sich die in der Bevölkerung verstreuten „psychopathischen Schläfer“. Werden psychisch labile und narzisstisch extrem verwundbare Menschen von gesellschaftlichen Desintegrationsprozessen erfasst und in eine anomische Position gedrängt, kann es zu völlig unverhältnismäßigen, entgrenzten Reaktionen kommen.

Quelle: http://www.bpb.de/apuz/26647/die-innenseite-der-der-globalisierung?p=all

Um den Kreis zu schließen:

„Bei den Festgenommenen handelt es sich um 28 Deutsche, sechs Italiener, drei Franzosen, zwei Niederländer, zwei Russen und jeweils einen Beschuldigten aus der Schweiz, Österreich, Spanien, Rumänien, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, Griechenland, Venezuela und dem Senegal, wie die Staatsanwaltschaft auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mitteilte.

Die Polizei hatte am Rande des Gipfels 186 Menschen fest- und 228 in Gewahrsam genommen. Die große Mehrheit ist inzwischen wieder frei. Laut Staatsanwaltschaft sind die Verdächtigen überwiegend junge Männer zwischen 16 und 30 Jahren.“

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/g20-gipfel-in-hamburg-die-taeter-und-ihre-strafen-a-1157240.html

Jung, orientierungslos, arbeitslos, entwurzelt, wütend! Denkt mal drüber nach und BRGREIFT ebdlich, was der Eisenberg sagen will!