Superreiche rüsten sich für das Ende der Zivilisation

Zwei Hektar Land im Nordpazifik und ein stets vollgetankter Hubschrauber: Im Silicon Valley treffen laut “New Yorker” immer mehr Superreiche Vorkehrungen für den Fall, dass die Zivilisation zusammenbricht.

Ist der Kollaps der Weltordnung erst einmal da, dann kann es verdammt schwierig werden, an Kontaktlinsen oder gar eine neue Brille zu kommen. Steve Huffman weiß das. Es ist der Grund, aus dem er sich im November vergangenen Jahres eigens einer Augenoperation unterzog, um seine Kurzsichtigkeit loszuwerden. “Ohne Sehhilfe”, das vertraute Huffman einem Reporter des US-Magazins “New Yorker” an, “bin ich am Arsch.”

Steve Huffman ist 33 und Mitgründer sowie CEO der US-Online-Community “Reddit”. Und er ist einer von offensichtlich immer mehr vermögenden Unternehmern und Top-Managern vornehmlich aus der IT- und Finanzindustrie, die sich sehr konkret und mit viel Aufwand auf eine Art Weltuntergang vorbereiten.

Der “New Yorker” beschreibt diese vitale Bewegung superreicher “Survivalists” in einem ausführlichen Artikel. Demnach sorgt die gewaltige globale Ungleichverteilung von Vermögen, wie sie immer wieder angeprangert wird, inzwischen längst nicht mehr nur bei jenen für Unmut, die materiell eher weniger abbekommen haben. Vielmehr machen sich offenbar Milliardäre und Millionäre rund um den Globus zunehmend Sorgen, dass sich die Spannungen zwischen ihnen und dem ärmeren, zahlenmäßig aber weitaus größeren Teil der Bevölkerung irgendwann entladen könnten.

Das Ergebnis könnte ein Volksaufstand sein, eine Revolution wie einst in Russland, was auch immer. So viel steht für viele Superreiche jedenfalls offensichtlich fest: Wer im Moment des großen Knalls nicht richtig vorbereitet ist, guckt in die Röhre.

Erst kürzlich sorgte die Non-Profit-Organisation Oxfam für neuen Gesprächsstoff zu dem Thema. Einer Studie zufolge, die Oxfam pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos vorlegte, besitzen inzwischen allein die acht reichsten Männer der Welt mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. In Deutschland, so Oxfam in der gleichen Untersuchung, gebe es eine ähnlich frappierende Schieflage bei der Vermögensverteilung.

Ob solche Behauptungen bis ins Detail korrekt berechnet wurden, sei dahingestellt. Fest steht, dass sie auf einen erheblichen Missstand in der Welt hinweisen. Und fest steht ebenso, dass die in solchen Studien beschriebenen Ungleichgewichte für viel Neid und Unmut sorgen dürften.

Von Bogenschießseminaren und gepackten Koffern

Grund genug also für extrem wohlhabende Leute, sich Sorgen darüber zu machen, ob es mit der bestehenden Gesellschaftsordnung auf lange Sicht unverändert weitergehen kann. Wie Yishan Wong, Ex-Facebook-Mitarbeiter und früherer CEO von “Reddit”, im “New Yorker” feststellt, sind vor allem viel IT-Gründer aus dem Silicon Valley in Kalifornien daran gewöhnt, Entwicklungen konsequent bis zu jedem möglichen Ende weiter zu denken.

Das unschöne Ergebnis – beispielsweise ein Kollaps des bestehenden Gesellschaftssystems – sei vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, so Wong. Dafür berge es aber gewaltige Verlustrisiken – und wer die Möglichkeit habe, sorge eben dagegen vor. Auch Wong ließ sich übrigens seine Augen lasern, aus dem gleichen Grund wie Huffman.

Hier einige weitere Beispiel, wie die Vorbereitung auf den Ernstfall konkret aussehen kann: “Reddit”-Chef Huffman besitzt eigenen Worten zufolge einige Motorräder (weil, wie jeder weiß, im Falle des Weltuntergangs als erstes die Straßen verstopfen), eine Reihe von Waffen und Munition sowie Lebensmittel. “Damit kann ich in meinem Haus ein Zeit lang überleben”, so Huffman.

Antonio García Martínez, 40 und Ex-Facebook-Manager, kaufte sich laut “New Yorker” zwei Hektar Land auf einer Insel im Nordpazifik. Wer glaube, ein Mann allein könne dem wütenden Mob im Ernstfall Paroli bieten, befinde sich im Irrtum, so Martínez. “Man muss dann eine lokale Miliz bilden”.

Dann ist da noch: Der Investmentprofi, auf den stets ein vollgetankter Hubschrauber wartet, der Venture-Capital-Manager, der als Fluchtort gleich mehrere Immobilien im Ausland erwarb (daheim stehen stets die gepackten Taschen bereit, für die gesamte Familie samt vierjähriger Tochter), oder der Ex-Yahoo-Vorstand, der zur Verteidigung seiner Vorräte an Wasser und Lebensmitteln eigens Unterricht im Bogenschießen nahm.

Fluchtpunkt Neuseeland

All diese Leute tauschen sich in privaten Facebook-Gruppen über alle möglichen Aspekte des Überlebenskampfes aus, so der “New Yorker”: Gasmasken, Bunker oder auch Orte, die sicher vor den Folgen des Klimawandels sind. Für besonders ängstliche gibt es bereits eine großzügige Luxuswohnanlage in Wichita, Kansas, gebaut in die Räumlichkeiten eines ehemaligen Atombunkers. Als beliebter Rückzugsort unter Gleichgesinnten gilt zudem offenbar Neuseeland, wo einem Amerikaner, der sich dort ein Ferienhaus zulegt, schon mal ungefragt weitere kernwaffenresistente Ausrüstung offeriert werde.

Reid Hoffman, Mitgründer des Karriere-Netzwerks LinkedIn, zitiert der “New Yorker” mit der Einschätzung, mehr als die Hälfte aller IT-Milliardäre im Silicon Valley beschäftigten sich inzwischen konkret mit der Vorbereitung auf die Zeit nach dem Ende der Zivilisation.

Dabei ist der Kampf arm gegen reich für die Überlebenskünstler offenbar nur eines von verschiedenen möglichen Endzeitszenarien: Eine Naturkatastrophe, ein Krieg, der Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung, beispielsweise ausgelöst durch Hackerangriffe – die Liste denkbarer Auslöser für die Apokalypse ist lang. In der Tech-Branche beispielsweise bereitet manchem offenbar auch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz Sorgen. Tausende Menschen, die dadurch womöglich ihre Jobs verlieren, so die Befürchtung, könnten in Zukunft gegen die Branche auf die Barrikaden gehen.”

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/apokalypse-so-bereiten-sich-superreiche-auf-das-ende-der-welt-vor-a-1131490.html

Hahaha… dann werden die Superreichen Flüchtlinge…