Weltkriegsstrategie

Trump und die Politik des Westens   –

„Der kalkuliert falsch als Bürgerkrieg oder noch volksverdummender auch von deutschen Linke-Politikern als Revolution bezeichnete Krieg der USA und ihrer Verbündeten gegen Syrien hat bislang nicht das angestrebte Ergebnis gebracht: Regime change in Damaskus. Das Auswärtige Amt bezeichnete im August 2016 den NATO-Staat Türkei als »zentrale Plattform für islamistische Gruppierungen«. Aber die Geschäfte Erdogans mit dem »Islamischen Staat«, seine und die logistische Hilfe Jordaniens und Israels für andere Kopfabschneiderbanden, die israelischen Luftschläge auf die syrischen Streitkräfte zur Rettung von Dschihadisten halfen nichts. Das offene Eingreifen der USA und ihrer Koalition mit den IS-Gründungs- und Förderstaaten am Golf im Sommer 2014 – inzwischen kam die Bundeswehr dazu – diente vor allem der Schwächung des syrischen Widerstandes gegen die Aggressoren. Dem schob die russische Militärkooperation mit Damaskus seit September 2015 einen Riegel vor. Begleitet von einer maßlosen antirussischen Propaganda kassierten die Wertegemeinschaftler mit der Befreiung Ostaleppos durch die syrische Armee Ende 2016 eine vernichtende militärische Niederlage.

Der verlorenen Schlacht folgte die westliche Drohung, den Krieg endlos zu verlängern. Das schloss ein, jede Verhandlungslösung, insbesondere jedes Friedensabkommen ohne Assad-Beseitigung, zu sabotieren. Wenn Frieden, dann einer nach imperialistischem Diktat. Dieser Strategie folgt US-Präsident Trump seit Amtsübernahme: Zum einen stockte er das eigene Truppenkontingent in Syrien auf, stellte sogar Artillerie bereit und ließ verstärkt bombardieren. Zum anderen wurde alles getan, damit es in keinem Verhandlungsgremium zu Ergebnissen kam. Der Luftschlag vom Freitag ordnet sich in diese Linie ein, stellt aber zugleich eine entscheidende Eskalation dar: Die bisher abstrakte Gefahr einer militärischen Konfrontation von USA und Russland wurde konkret. Die FAZ beanstandete am Sonnabend angesichts dieser neuen Unwägbarkeit: »Auf den Abschussknopf zu drücken, ist noch keine Strategie zur Befriedung des syrischen Hexenkessels.« Irrtum. Die Strategie ist da und wurde mit dem Luftschlag weiterverfolgt. Er war auch der Versuch, aus der Defensive, in die der Westen durch seine strategische Linie geraten ist, herauszukommen. Dazu dient die Mixtur aus erhöhter militärischer Drohung und gleichzeitiger Fortführung von Gesprächen. Säbelrasseln und unberechenbare Aktionen sind der entscheidende Hebel, wie analog der US-Aufmarsch vor der koreanischen Küste zeigt.

Dabei macht Deutschland vorn mit. Jüngster Beleg: Der Spiegel kündigt an, dass die Bundeswehr im Herbst zum ersten Mal mit Kampfjets an einem Manöver in Israel teilnehmen wird, »dem größten in der israelischen Militärgeschichte« – zusammen mit mehreren NATO-Ländern. An einer Strategie, die zum Weltkrieg führen kann, mangelt es denen nicht.“

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/308767.weltkriegsstrategie.html