Manager ohne Moral

Die Unternehmensberatungsfirma Ernst & Young (EY) hat für eine aktuelle eine Studie über Wirtschaftskriminalität 4.100 Manager aus Konzernen in 41 Ländern befragt, davon 100 aus der Bundesrepublik.

“Das Bild des ehrbaren Kaufmannes hat innerhalb der deutschen Wirtschaft deutliche Kratzer erlitten: 43 Prozent der deutschen Manager halten Bestechung und Korruption hierzulande mittlerweile für weit verbreitet. Damit dreht sich die Stimmung: 2015 war die Wahrnehmung von Korruption rückläufig – 26 Prozent der Manager hielten sie damals für weit verbreitet nach 30 Prozent bei der Befragung im Jahr 2013…

  • 43 Prozent der Manager halten unlauteres Geschäftsgebaren hierzulande für verbreitet – deutlich mehr als vor zwei Jahren
  • Deutsche Manager riskieren für die eigene Karriere viel – fast jeder vierte ist zu unethischem Verhalten im Job bereit
  • Über die Hälfte ist bereits mit Fehlverhalten im Berufsleben konfrontiert worden – sieben Prozent haben es wegen internen Drucks nicht gemeldet
  • 22 Prozent fürchten um die eigene Sicherheit, falls sie Fehlverhalten melden

… Deutsche Manager sind offenbar eher bereit für ihre eigene Karriere zu unlauteren Mitteln zu greifen, als zum vermeintlichen Wohl des Konzerns. So sagt fast ein Viertel (23 Prozent) von sich, dass sie für das eigene berufliche Fortkommen und eine höhere Bezahlung unethisch handeln würden. Das ist sogar über dem Durchschnitt von 21 Prozent insgesamt und deutlich über dem Durchschnitt in West-Europa von 14 Prozent.

Ebenfalls deutlich überdurchschnittlich ist mit zehn Prozent der Anteil derjenigen, die sich vorstellen können, der Unternehmensführung Falschinformationen zu geben, um ihre eigene Karriere oder Bezahlung zu verbessern. Insgesamt liegt der Anteil bei fünf Prozent, in West-Europa bei vier Prozent.

Geht es dagegen um das Unternehmen, halten sich deutsche Manager im internationalen Vergleich eher an die Regeln: Nur vier Prozent würden absichtlich die Finanzzahlen falsch darstellen, um Ziele zu erfüllen. Über alle untersuchten Länder hinweg hätten zehn Prozent der Befragten kein Problem damit, zu diesem Mittel zu greifen. Zu Bargeldzahlungen, um Aufträge zu erhalten, würden sich elf Prozent der deutschen Manager hinreißen lassen – unter allen Ländern würden das 17 Prozent tun.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die rund 4.100 Entscheidungsträger aus Unternehmen in 41 Ländern befragt wurden, davon 100 aus Deutschland.

Jüngere eher bereit zu unethischem Verhalten
Nach all den Compliance-Seminaren und oftmals verpflichtenden Schulungen für Mitarbeiter müsste man annehmen, dass gerade die Jüngeren ein besonders ausgeprägtes Unrechtsempfinden haben – das Gegenteil ist aber der Fall. Innerhalb der sogenannten Generation Y (25-34-Jährige) wäre in allen befragten Ländern ein höherer Anteil als in anderen Altersgruppen bereit, unethisches Verhalten zu rechtfertigen. Einer von vier dieser jungen Befragten rechtfertigt das Anbieten von Schmiergeldern, um einen neuen Auftrag zu gewinnen oder um bestehende Aufträge weiterzuführen. Im Durchschnitt aller Altersgruppen würden dagegen würde dies nur jeder Sechste tun.

Hälfte der Manager hat bereits Verfehlungen im Unternehmen erlebt
Die Hälfte (52 Prozent) der Manager in Deutschland ist in ihrem Berufsleben bereits mit Verfehlungen konfrontiert worden. 14 Prozent sahen sich innerhalb des Unternehmens Druck ausgesetzt, diese Verfehlungen nicht zu melden. Sieben Prozent sind unter diesem Druck eingebrochen und haben das Fehlverhalten für sich behalten.

Doch dieser allzu lockere Umgang mit der Ethik kann für die Unternehmen nicht nur juristische Folgen nach sich ziehen – auch für die Mitarbeiterbindung ist er fatal. Jeder zehnte befragte Manager hat bereits einmal wegen unethischen Verhaltens der Firma gekündigt – jeder Dritte hat eine Kündigung aus diesem Grund zumindest erwogen.

Für den möglichen Fall, dass sie unlauteres Geschäftsgebaren in der Zukunft entdecken, würden sich 40 Prozent in Deutschland nicht davon abhalten lassen, diesen auch zu melden. 25 Prozent geben allerdings an, Loyalität zu ihren Kollegen könnte sie von einer Meldung abhalten, 22 Prozent würden sogar um ihre persönliche Sicherheit fürchten.

Weltweite Volatilität gefährdet Unternehmenserfolg – und begünstigt unsaubere Methoden
Ein Faktor, der Manager in den Unternehmen zu unlauteren Mitteln greifen lassen könnte, ist die zunehmende Volatilität weltweit, die sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirken kann. So sagen mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Manager in den befragten Ländern, dass der Unternehmenserfolg durch langsameres Wirtschaftswachstum als erwartet bedroht ist. In Deutschland unterschreiben diese Aussage immerhin 44 Prozent der Manager.

Hinzu kommt, dass offenbar nicht in jedem Land nach den gleichen ethischen Regeln gewirtschaftet wird. Nur 42 Prozent der deutschen Manager sagen, dass in verschiedenen Ländern die gleichen Ethikstandards gelten. Gleichzeitig halten nur 23 Prozent die im Unternehmen geltenden Ethikstandards für hoch…”

Quelle und gesamter Text: http://www.ey.com/de/de/newsroom/news-releases/ey-20170405-ein-schritt-zurueck-deutsche-manager-sehen-korruption-auf-dem-vormarsch